Verantwortung, Mitgefühl und Respekt nach dem Motto von Albert-Schweitzer zu leben ist zu keiner Zeit eine leichte Aufgabe – und war dies erst recht nicht im totalitären und menschenverachtenden NS-Staat.
Unsere Gruppe aus 19 Schülern und Schülerinnen der Mittelstufe des ASG begab sich in ihrem Projekt am 18. März 2026 mit einer Lehrerin und je einer Vertreterin des Bündnisses „Wir sind Hürther“ und der „Hürther Brücke der Kulturen“ zu Fuß vom ASG bis nach Efferen auf die Spuren einiger unter Hitler deportierter und ermordeter Hürther Mitmenschen. Wo diese einmal gewohnt haben und von dort verschleppt wurden, davon zeugen in Hürth 32 in den Asphalt eingelassene Stolpersteine aus Messing. „Vergessen ist nur, dessen Name vergessen ist“, heißt es im Talmud.
Wir waren vorbereitet: Acht Jungen und Mädchen wienerten im Wechsel mit Scheuermittel, bis sie die vier Stolpersteine der Familie Heidt in der Severinusstraße 32 vom dunklen Schmutz der Straße befreit und zu frischem Glanz gebracht hatten. Die eingravierten und nun gut lesbaren Daten gingen allen sehr nahe, waren doch die Kinder der ermordeten jüdischen Familie in etwa so alt wie die meisten von ihnen. Dass jeder Hürther Bürger eine Putz-Patenschaft über ausgewählte Stolpersteine übernehmen kann, wollten einige als Anregung mit in ihre Familie oder in ihre Schule nehmen. An einem weiteren Stolperstein in Efferen für den KPD-Angehörigen Wilhelm Stahl erfuhren die Schüler und Schülerinnen, dass es im totalitären Staat alle traf (so wie es auch heutzutage alle treffen könnte), die eine eigene Meinung und Mitgefühl haben und es wagen sich gegen eine Gewaltherrschaft zu erheben. Lassen wir es also niemals wieder so weit kommen!
Nach einer Picknickpause im Park und insgesamt vier intensiv „erstolperten“ Kilometern wurden wir im kleinen Kino der Hürther „Lichtspielfreunde“ in der Ritterstraße mit Limo und Popcorn (gegen eine Spende) erwartet. Der Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ war sehr authentisch und fesselnd. Bei der Frage am Schluss „Wie aber konnte Hitler denn ein rosa Stofftier stehlen?!“ waren sich alle einig, dass es aus Kindersicht der Abschied von allem war, nämlich von Schmusetieren, geliebten Familienmitgliedern, der Heimat, der Würde und der Sicherheit.


